Die Kürzungen in der Humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit gefährden das Leben und die Entwicklungsmöglichkeiten von Mädchen weltweit. Darauf macht die Kinderrechtsorganisation Plan International Deutschland bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2024 aufmerksam. „In einer Zeit, in der die Zahl der Krisen, Konflikte und Kriege steigt, wird weltweit Geld für Schutz, Nahrung und Bildung gestrichen. Das hat verheerende Folgen für Kinder, insbesondere für Mädchen, die besonders unter den Folgen zu leiden haben“, sagt Petra Berner, Vorstandsvorsitzende von Plan International Deutschland. „Was wir brauchen, ist mehr und nicht weniger Hilfe.“
Weltweit leben mehr als 400 Millionen Kinder in Ländern, in denen Kriege oder gewaltsame Konflikte herrschen – etwa jedes fünfte Kind auf dieser Erde ist somit von Flucht, Hunger und Krankheiten betroffen. Mädchen sind einem erhöhten Risiko von sexueller Gewalt, früher Heirat und Schwangerschaft ausgesetzt – mit lebenslangen Folgen. Wie fragil das internationale Hilfesystem ist, zeigt sich an folgende Zahlen: Rund 300 Millionen Menschen weltweit sind derzeit auf Humanitäre Hilfe angewiesen. Weil aber Regierungen massiv Geld kürzen, haben die Vereinten Nationen die Zahl der Menschen, die sie tatsächlich zu erreichen versuchen, bereits auf 180 Millionen reduziert. Doch selbst für diese Menschen fehlen fast 80 Prozent der benötigten Mittel.
Trotz der seit einigen Jahren schwierigen weltpolitischen Lage blickt Plan International Deutschland auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2023/ 2024. Die Einnahmen stiegen von 246,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 252,4 Millionen Euro. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Pat:innen: Genau die Hälfte der Einnahmen – 126,2 Millionen Euro – stammen aus Patenschaftsbeiträgen. Das deutsche Plan-Büro betreut rund 379.000 Patenschaften. Im vergangenen Geschäftsjahr besonders hervorzuheben sind die Zuwendungen institutioneller Partner, die um gut drei Prozent auf 78,2 Millionen Euro anstiegen.
Die Kostenquote sank im vergangenen Geschäftsjahr auf 15,7 Prozent. Sie wird vom Deutschen Institut für soziale Fragen wie in den Vorjahren ebenfalls als „angemessen“ bezeichnet. Insgesamt hat Plan International Deutschland damit mehr als 84 Prozent der Einnahmen in die Projektarbeit investiert – das sind gut 200 Millionen Euro. Auf diese Weise hat Plan International Deutschland einen entscheidenden Anteil daran, dass im weltweiten Verbund mehr als 23 Millionen Mädchen und junge Frauen erreicht wurden – für Bildungs- und Berufsangebote, Programme zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit oder Kinderschutz.
Wie wichtig die Arbeit von Plan International ist, zeigen die jüngsten Ereignisse. So haben kürzlich die USA ihre Auslandshilfen mit massiven Auswirkungen auf internationale Hilfsprojekte eingefroren. Und auch hierzulande gibt es deutliche Einschnitte. Mit Blick auf die anstehende Regierungsbildung betont Petra Berner die besondere Verantwortung der beteiligten Parteien. „Wir wissen, dass die Herausforderungen schwieriger werden. Deutschlands Rolle in Europa und der Welt bleibt wichtig. Wir werden international mehr Verantwortung übernehmen müssen – auch bei Humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Sie dürfen nicht zu vermeintlichen Luxusgütern für bessere Zeiten degradiert werden.“
Die internationalen Bemühungen Deutschlands dürften gerade im Sinne der Mädchen nicht weiter beschnitten werden, mahnt Petra Berner. Allein im Jahr 2024 haben mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung Regierungen gewählt, deren Politik der Verwirklichung der Menschenrechte und der Gleichberechtigung häufig zuwiderläuft. „Schon heute sehen wir, dass schätzungsweise 80 Prozent der Menschen, die durch den Klimawandel vertrieben werden, Frauen und Mädchen sind.“ Wenn dieser Entwicklung nicht entgegengewirkt wird, drohen höhere Kinder- und Müttersterblichkeitsraten, mehr Armut, wirtschaftlicher Niedergang, Versagen der Gesundheitssysteme und zunehmende Ungleichheiten, von denen Mädchen und junge Frauen am stärksten betroffen sein werden.
Der komplette Jahresbericht von Plan International Deutschland steht zum Download unter www.plan.de/jahresbericht bereit.
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