Die in den USA gehandelten Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten gestern Nettoabflüsse in Höhe von 938 Millionen US-Dollar. In den letzten sechs Tagen summierten sich die Abflüsse auf rund 2 Milliarden US-Dollar, was ein deutliches Zeichen für eine Marktumstrukturierung sein könnte. Der jüngste Rückgang stellt einen neuen Rekord dar und übertrifft den bisherigen Höchstwert von 671,9 Millionen US-Dollar, der im Jahr 2024 verzeichnet wurde. Infolge dieser Kapitalabflüsse fiel der Bitcoin-Kurs (BTC) auf ein vorläufiges Jahrestief von 86.000 US-Dollar.
Ursachen für die massiven Abflüsse
Die Gründe für die anhaltenden Mittelabflüsse sind vielfältig. Makroökonomische Faktoren wie eine restriktive Geldpolitik, hohe Zinsen und globale wirtschaftspolitische Unsicherheiten haben die Liquiditätsbedingungen verschärft. Zusätzlich hat die sich verändernde geopolitische Lage – insbesondere die Neuordnung der internationalen Beziehungen der USA – dazu beigetragen, dass institutionelle Anleger ihre Portfolios umstrukturieren. Dies könnte eine Reduzierung der Bitcoin-Allokationen in diesen ETFs zur Folge haben.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die sinkende Erwartungshaltung hinsichtlich einer möglichen Bitcoin-Reserve der US-Regierung. Während einige Investoren gehofft hatten, dass staatliche Institutionen Bitcoin als strategische Reserve einführen könnten, haben fünf US-Bundesstaaten dem Thema eine Absage erteilt. Zwar könnte trotzdem eine nationale Reserve gebildet werden, aber es trübt die Aussichten darauf. Im Gesamtbild lassen die jüngsten ETF-Abflüsse darauf schließen, dass große Marktteilnehmer ihre Positionen neu bewerten und teilweise auf andere Anlageklassen umschichten.
Spot-Käufer sehen Chancen
Trotz des drastischen Kurseinbruchs gibt es auch Marktteilnehmer, die die aktuelle Situation als Kaufgelegenheit sehen. Während der hohe Verkaufsdruck kurzfristig das Vertrauen in den Markt belasten mag, gehört Volatilität seit jeher zur Natur von Bitcoin. Tatsächlich war die lange Seitwärtsphase der vergangenen Monate für Bitcoin eher ungewöhnlich, da die Kryptowährung in ihrer Geschichte immer wieder durch starke Schwankungen geprägt war.
Erfahrene Anleger am Spot-Markt nutzen den Rückgang oft gezielt für Nachkäufe. Insbesondere langfristig orientierte Investoren sehen in diesen Korrekturen eine Möglichkeit, Bitcoin zu günstigeren Preisen zu erwerben. Viele von ihnen setzen auf den sogenannten Durchschnittskosteneffekt (Dollar-Cost Averaging), um ihre Positionen schrittweise auszubauen.
Andererseits ist die derzeitige Situation für Hebel-Trader mit erheblichen Risiken verbunden. Wer auf Derivate setzt, könnte durch die hohe Volatilität leicht liquidiert werden. Bitcoin hat in der Vergangenheit oft Einbrüche zwischen 20 % und 45 % innerhalb weniger Tage verzeichnet. Wann genau eine Bodenbildung erfolgen kann, bleibt ungewiss.
Ist der Bullenmarkt vorbei?
Eine der zentralen Fragen, die sich viele Anleger derzeit stellen, ist, ob die jüngste Korrektur das Ende des Bullenmarktes einläutet. Die Käufe von institutionellen Investoren wie MicroStrategy haben in der aktuellen Phase eine geringere Bedeutung. Während einige Marktbeobachter glauben, dass das Unternehmen als Stütze für den Bitcoin-Kurs fungiert, zeigen die ETF-Abflüsse, dass es in den kommenden Wochen eher um das Finden eines neuen Marktgleichgewichts gehen wird.
Historische Kursmuster deuten darauf hin, dass der Bereich zwischen 70.000 und 74.000 US-Dollar eine entscheidende Rolle spielen könnte. Dieser Bereich diente im Jahr 2024 über mehrere Monate als Widerstand. Sollte der Bitcoin-Kurs weiter fallen, wäre es ideal, wenn diese Zone nun als Unterstützung fungiert. Erst wenn Bitcoin nachhaltig unter diesen Bereich fällt, wäre es gerechtfertigt, eine Neubewertung der langfristigen Marktdynamik vorzunehmen und den Fortbestand des Bullenmarktes in Frage zu stellen.