Seit der Einführung von Spot-Bitcoin (BTC)-ETFs in den Vereinigten Staaten hat der Markt enorme Zuflüsse verzeichnet. Doch neue Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil davon nicht auf langfristige Investitionen zurückzuführen ist, sondern hauptsächlich durch Arbitragehandel getrieben wird. Dies wirft Fragen über die tatsächliche institutionelle Akzeptanz von Bitcoin auf.
Arbitrage dominiert ETF-Zuflüsse
Eine Untersuchung von 10x Research zeigt, dass nur 44 % der Nettozuflüsse in Bitcoin-ETFs für langfristigen Besitz bestimmt sind. Von den seit Januar 2024 eingegangenen 39 Milliarden US-Dollar können lediglich 17,5 Milliarden US-Dollar als „echte“ Käufe betrachtet werden. Der Rest wird für eine sogenannte „Carry-Trade“-Strategie genutzt, bei der Investoren Spot-Bitcoin über ETFs kaufen und gleichzeitig Short-Positionen in Futures eröffnen, um von Preisunterschieden zu profitieren.
Laut Markus Thielen, leitender Analyst bei 10x Research, ist die tatsächliche Nachfrage nach Bitcoin als langfristige Investition weitaus geringer als oft suggeriert wird. Der Handel mit Bitcoin-ETFs wird in erster Linie durch Finanzierungszinsen und Basiszinsunterschiede bestimmt, was bedeutet, dass viele Anleger eher kurzfristige Gewinne als langfristige Werte anstreben.
Die größten Inhaber des IBIT-ETFs von BlackRock sind keine traditionellen institutionellen Investoren, sondern Hedgefonds und Handelsfirmen, die sich auf Markteffizienz und Renditeoptimierung spezialisieren. Solche Akteure halten selten langfristige Positionen, was darauf hindeutet, dass der Bitcoin-ETF-Markt nach wie vor stark spekulativ ist.
In der vergangenen Woche gab es an vier aufeinanderfolgenden Tagen Mittelabflüsse, wodurch insgesamt 552 Millionen US-Dollar aus diesen Fonds abgezogen wurden. Trotz dieser Bewegung blieb der Spotpreis von Bitcoin stabil.
Die Medien vermitteln ein verzerrtes Bild
Die jüngsten Abflüsse aus Bitcoin-ETFs werden in den Medien oft als bärisches Signal dargestellt. Thielen betont jedoch, dass dieser Prozess aus markttechnischer Sicht neutral ist. Beim Verkauf von ETFs werden gleichzeitig Bitcoin-Futures zurückgekauft, sodass der Nettoeffekt auf den Kurs minimal ist.
Ein entscheidender Faktor hierbei ist der Arbitragehandel, bei dem Händler von Preisunterschieden zwischen Märkten profitieren. Im Fall von Bitcoin-ETFs kaufen sie Spot-Bitcoin über einen ETF und eröffnen gleichzeitig eine Short-Position in Futures. Dies ermöglicht es ihnen, Gewinne aus dem Preisunterschied zu erzielen, ohne tatsächlich Marktschwankungen ausgesetzt zu sein. Sobald diese Gewinnmargen schrumpfen, bauen Händler ihre Positionen ab, was zu Abflüssen aus den ETFs führen kann.
Dennoch scheint sich die Marktdynamik zu verändern. Seit den US-Präsidentschaftswahlen soll die „echte“ Nachfrage nach Bitcoin stark gestiegen sein. Gleichzeitig hat der Einzelhandelshandel abgenommen, was zu einem Rückgang der Finanzierungszinsen geführt hat. Dies zwingt Arbitragehändler dazu, ihre Positionen weiter abzubauen, was eine Erklärung für die jüngsten Abflüsse aus Bitcoin-ETFs sein könnte.